Die Lieblingstiere meiner Tochter sind Wölfe. Tierlieb war sie schon immer. Als Kleinkind hat sie sogar Marienkäfer gefüttert – mit Blattläusen, extra von den Rosen abgesammelt. So groß wie ihre Tierliebe, so klein war ihr Orientierungssinn. Sie konnte sich kaum Straßennamen merken und wo diese Straßen lagen. Dafür kannte unsere Tochter früher jeden Hund und wusste, wo dieser zu Hause war. Dementsprechend formulierten wir Wegbeschreibungen für sie nach ihrem „Hundedorfplan“. Klang dann ungefähr so: „Geh bis zu Hund X, dann bieg rechts ab“ oder „Das Haus liegt gegenüber von Hund Y“. Kein Wunder für uns, dass Wölfe ihre Lieblingstiere waren. Die Idee, seine Haare zu verspinnen, klingt da vielleicht nicht ungewöhnlich, aber auch nicht gerade realistisch.

Wie kommt man an Wolfswolle?

Wölfe verlieren während des Fellwechsels ihr Haar gleich büschelweise. Kennt Ihr vielleicht von Euren Hunden. Die Büschel müssen nur aufgelesen und gesammelt werden. Klingt einfach, ist es auch – vorausgesetzt man hat einen Wolf oder begnügt sich mit Hundewolle. Beides trifft auf meine Tochter nicht zu. Aber es gibt ja das Wisentgehege in Springe. Dort leben viele Wölfe, neben Europäischen Wölfen auch Polarwölfe und Timberwölfe. Bei einer Wolfspräsentation (Wolfsfütterung und Information über Wölfe) hat meine Tochter gefragt, was mit der Wolfswolle im Gehege passieren würde. Sie wird versponnen und verstrickt, die daraus entstandenen Produkte versteigert und das Geld für wohltätige Zwecke gespendet. Spinnen? Können wir auch. Dürfen wir? Hmmmm, nicht so einfach: Wolfswolle unterliegt dem Artenschutzabkommen und ist streng geschützt.

Wir dürfen Wolfswolle spinnen!

Nach einem ausführlichen Gespräch mit den Betreuern des Wolfsprojektes durften wir tatsächlich etwas Wolfswolle mitnehmen, um das Spinnen auszuprobieren. Sie ist sehr leicht und fühlt sich wahnsinnig weich an. Ein irres Gefühl. Die Wolle riecht übrigens kein bisschen nach Wildtier, das hat mich schon gewundert. Wir waren natürlich total neugierig, ob sich diese feine Wolke spinnen lässt.

Also ran ans Spinnrad! Es war Sommer und ziemlich heiß, das erschwert das Spinnen ungemein. Die Wolle klebte an unseren feuchten Fingern und unserer Kleidung, gleichzeitig pustete jeder Luftzug die feinen Fäden durch die Gegend. Aufgeben? Kam natürlich nicht infrage. Ein Pause allerdings schon. Nach dem Anspinnen warteten wir auf etwas kühleres Wetter und ein wenig Freizeit zum Spinnen. Immerhin hatten wir ja beide unsere Jobs, dann stand auch bald der Adventsbasar vor der Tür und das eine oder andere private Vorhaben. Das eigentliche Spinnen dauerte dagegen „nur“ einige Stunden. Schließlich handelte es sich ja um eine „Probe“.

Verzwirnte Wolle auf einen umgedrehten Hocker gehaspelt

Wir haben die Wolfswolle pur versponnen. Oft wird sie ja mit Schafwolle gemischt, dann ist sie leichter zu verspinnen (und deutlich ergiebiger!) Trotz ihrer unglaublichen Weichheit und Feinheit ließ sich die Wolfswolle recht gut und auch sehr fein verspinnen. Auch das Verzwirnen barg keine besonderen Schwierigkeiten. Es hat echt Spaß gemacht!

Natürlich haben wir das fertige Garn ordnungsgemäß im Wisentgehege wieder abgegeben! Falls dort einmal „Ersatz-Spinnerinnen“ gesucht werden: Meldet Euch gern!

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