Dass ich mal Häkeldesignerin werde, hätte ich nie gedacht. Wann und wo ich das Häkeln und Stricken gelernt habe, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht war das in der Schule, vielleicht aber auch zu Hause, dort wurde nämlich immer gehandarbeitet. Meine Oma hat genäht (vor allem Röcke) und Socken gestrickt, meist aus den Wollresten meiner Mutter. Die hat nämlich hauptsächlich Pullover gestrickt (bis meine Oma nicht mehr stricken konnte und der Posten der Sockenstrickerin neu besetzt werden musste). Außerdem hat meine Mutter früher viel gestickt. Die fertigen Tischdecken hat sie meistens verschenkt. Ich habe auch noch einige.

Bei uns im Haus lebte noch meine Großtante, die ebenfalls strickte. Ihre Spezialität waren Westen, für meine kleine Schwester auch in Kombination mit farblich abgestimmten Röcken.

Mein Vater hat erst ziemlich spät gestrickt, eine Unmenge von Schals. Vorher hat er viel gehäkelt, die Kleider tragen wir heute noch. Sticken konnte er auch, seine Spezialität war Hardanger. Dafür hat er sogar Kurse gegeben. Meine Eltern hatten nämlich zehn Jahre lang ein Handarbeitsgeschäft. Kein Wunder also, dass ich häkle und stricke (filze, spinne, nähe …), oder?

Aller Anfang ist schwer

In Handarbeitsunterricht war ich keine große Leuchte. Vielleicht lag es ja an den Aufgaben? Die Schürze, die ich damals nähen musste, hat bis heute noch keine Taschen (welche Dreizehnjährige, bitteschön, braucht denn eine Schürze?) und den Kapuzenpulli hat zum größten Teil meine Mutter gestrickt. Sonst wäre er nicht rechtzeitig fertig geworden. Immerhin haben wir eine „2“ dafür bekommen 😉

Mit 16 habe ich dann „freiwillig“ gestrickt. Während meiner Ausbildung zur Bankkauffrau hatte ich wochenlang Blockunterricht. In den Pausen ist mein erster komplett selbstgestrickter Pulli entstanden. Nicht gerade schick, aber tragbar. Viele weitere folgten, für mich, für meinen Mann, für unsere Kinder und inzwischen auch für den Mini-Enkel. Das mit dem Schick hat sich deutlich gebessert 😉

Erste Kreationen

Mit dem Häkeln ging es schon viel früher los. Ich war elf oder zwölf, als ich für meine kleine Schwester ein kleines Kult-Plüschäffchen kaufte (nicht das M-Original, dafür reichte mein Taschengeld nicht). Bewaffnet mit einer alten Häkelnadel kämpfte ich mich durch einen Berg bunter Wollreste. Schließlich brauchte die kleine Kreatur wärmende Kleidung. Eine Anleitung dafür hatte ich nicht, ich hab einfach drauflos gehäkelt, geribbelt und neu angefangen bis einige Hosen und Pullover fertig waren. Meine Schwester hat sich gefreut und ich war angefixt.

Einige Jahre später hatte ich dann selber eine Tochter mit vielen Puppen. Die bekamen jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten neue Kleidung (einige von ihnen, nicht alle gleichzeitig, das hätte ich zeitlich gar nicht geschafft), mal genäht, mal gehäkelt oder auch gestrickt. Mal mit, meistens aber ohne Anleitung gefertigt. Oft kam im Urlaub noch eine neue Puppe dazu. Die braucht dann natürlich dringend etwas zum Anziehen. So war immer ein großer Handarbeitsbeutel im Reisegepäck. Schließlich wusste ich ja nie, was der neue Familienzuwachs an Kleidung nötig hatte.

Kunst oder Handwerk?

„Nebenbei“ probierte ich gern alle möglichen Handarbeits- und Basteltechniken aus und produzierte „Geschenke“ auf Vorrat. Dadurch hatte ich (fast) immer ein kleines Mitbringsel oder ein Geburtstagsgeschenk parat. Wenn nicht, dann wurde eben etwas Neues angefertigt: Kissen aus Lederresten, Wandbehang, Schreibmappe (die existiert sogar nach 30 Jahren noch!), Stofftiere und ein Puppenhaus mit Möbeln. Nein, davon gab es sogar zwei: aus Pappe für meine Schwester und aus Holz für meine Tochter. Allerdings habe ich beide nicht alleine gebaut, sondern zusammen mit meinem Mann. Das hat uns viel Spaß gemacht. (Ich glaube, es wird Zeit für eine Enkelin, hätte echt mal wieder Lust aufs Häuslebauen) 😉

Irgendwie wurde ich dann Kunsthandwerkerin, das war ich auch sehr gern. Ich verkaufte selbstgefertigten Schmuck, gestrickte Socken, Filzfiguren, Amigurumi, Weihnachtsschmuck und vieles andere auf Basaren. Das war eine sehr interessante und lehrreiche Zeit.

„Verkauf doch mal im Internet!“

Ich verschenke ungern Geld in einem Umschlag ohne persönliche Note. Also habe ich eine gehäkelte Schildkröte als Schlüsselanhänger an einen Konfirmationsgruß gehängt. Auf der Feier wurde ich darauf angesprochen und nach der Anleitung gefragt. Die habe ich bereitwillig auf einer Serviette notiert. (Keine Urheberrechtsverletzung, war/ist meine eigene Anleitung). Plötzlich fiel die Bemerkung „Verkauf das doch mal im Internet!“ Darüber hatte ich noch gar nicht (ernsthaft) nachgedacht. Ein paar Monate später hatte ich meinen Dawanda-Shop.

Immer wieder neu

Ideen für neue Artikel hatte ich genug, mir fehlte nur irgendwann die Zeit für die Umsetzung. Statt zu entwerfen arbeitete ich Aufträge ab. Nach einigen Jahren wurde Dawanda (für mich) überraschend und ziemlich kurzfristig geschlossen. Zwar habe ich mich nach einem neuen Marktplatz umgesehen, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Ich wollte jetzt lieber neue Dinge gestalten, mehr entwerfen und nicht mehr Aufträge „abarbeiten“ – ich wollte frei sein. So bin ich also zur Häkeldesignerin geworden. Meine Arbeiten findet Ihr bei Crazypatterns und in meinem Buch.

Möchtest Du regelmäßig über neue Blogartikel und Handarbeitsanleitungen informiert werden? Dann abonniere doch einfach meinen Newsletter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner