Häkeln oder Stricken? Oder doch beides? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Die beiden Handarbeitstechniken werden von „Unwissenden“ oft verwechselt. „Wissende“ teilen sich in vier Gruppen:

  • Gruppe 1 weiß, wovon die Rede ist.
  • Gruppe 2 kann häkeln.
  • Gruppe 3 kann stricken.
  • Gruppe 4 kann beides.

Natürlich gibt es noch einige Untergruppen, was die genauen Fertigkeiten und Vorlieben angeht, aber so tief wollen wir hier nicht einsteigen. Hier geht es darum, welche Technik „besser“ ist. Schauen wir mal genauer hin:

Häkeln oder Stricken: was ist der Unterschied?

Erst mal kurz zu den Gemeinsamkeiten beider Handarbeitstechniken: Sowohl beim Häkeln als auch beim Stricken fertigst Du mithilfe einer beziehungsweise mehrere Nadeln aus einem Faden eine mehr oder weniger glatte „Fläche“. Das kann ein Kleidungsstück sein oder auch eine dreidimensionale Figur. Durch unterschiedliche Maschen sowie das Abnahmen oder Zunehmen von Maschen gestaltest Du Muster und Formen.

Kommen wir nun zu den Unterschieden:

  • Während Du beim Häkeln nur eine Nadel mit einem Haken am Ende benutzt, benötigst Du zum Stricken mindestens zwei Nadeln OHNE Haken (oder alternativ eine Rundnadeln mit zwei Nadelenden).
  • Beim Häkeln hast Du in der Regel nur eine Masche auf der Nadel (Ausnahme: Du möchtest gerade Maschen abnehmen/zusammen häkeln), beim Stricken dagegen immer ALLE Maschen Deines Strickteils.
  • Verlierst Du beim Stricken eine Masche von der Nadel, dann kann eine „Laufmasche“ daraus werden: Die Maschen/Schlingen unter der verlorenen Masche lösen sich ebenfalls auf und es entsteht eine unschöne Lücke zwischen den danebenliegenden Maschen. Wenn Du Pech hast, läuft die Masche durch Dein ganzes Strickstück und muss mühsam wieder „hochgeholt“ werden.
    Das kann Dir beim Häkeln nicht passieren. Dein Häkelstück kann sich immer nur von der zuletzt gehäkelten Masche her auflösen, also reihen- oder rundenweise. Du musst dann eben von dem Punkt an weiterarbeiten, bis zu dem Deine Maschen sich aufgelöst haben.

Stricken oder Häkeln: was ist leichter zu lernen?

Hier punktet eindeutig das Häkeln! Warum? Du musst nur eine einzige Nadel beherrschen und nicht mit zwei Nadeln kämpfen (oder gar mit FÜNF! wie beim Socken stricken). Weitere Vorteile beim Häkeln lernen sind:

  • Du hast immer nur eine Masche auf der Nadel. Beim Stricken können es locker auch mal 100 sein. Rutscht Dir die Nadel aus der Arbeit, dann hast Du Deine Häkelmasche schnell „wiedergefunden“. Beim Stricken geht dagegen auch mal eine verloren. Das Ergebnis nennt sich dann Laufmasche. Kennst Du vielleicht von Deiner Nylonstrumpfhose. Ist beim Stricken (mindestens) genauso ärgerlich.
  • Passt zu Punkt 1: Wenn Du Deine Häkelarbeit pausieren möchtest, dann ziehst Du einfach die letzte Masche zu einer großen Schlaufe und nix ribbelt auf. Beim Stricken musst Du dagegen aufpassen, dass keine Masche versehentlich von der Nadel rutscht.
  • Häkelmaschen und -reihen sind leichter zu zählen als gestrickte. Muss man die Maschen überhaupt zählen? Nun ja, wenn am Ende was Vernünftiges rauskommen soll, dann macht das Zählen durchaus Sinn. Wie sonst sollte ein Amigurumi eine schöne Form bekommen? Oder das Vorderteil eines Pullis zum Rückenteil passen?

Häkeln oder Stricken: was macht mehr Spaß?

Ganz klare Antwort: kommt darauf an, wen Du fragst! Ein/e begeisterte/r Häkler/in wird sagen, dass Häkeln mehr Spaß macht, ein/e Stricker/in natürlich das Gegenteil behaupten. Ich kann beides und muss sagen: kommt darauf an. Stricken (ohne Muster) kann ich, ohne hinzusehen, also auch beim Busfahren (als Mitfahrerin!) oder beim Fernsehen. Beim Häkeln (aber auch beim Muster stricken) muss ich auf meine Arbeit gucken. Dann wird aus Fernsehen eben Fernhören. Geht auch prima, wenn die Handlung gut kommentiert wird (Dialoge oder so). Naturaufnahmen kommen akustisch nicht so gut rüber. Was mir also mehr Spaß macht, hängt davon ab, wo ich mich gerade befinde und was ich sonst noch tue.

Stricken oder Häkeln: was geht schneller?

Gehen wir von dem gleichen Garn aus, dann geht das Häkeln durchaus ein wenig schneller. Zwar brauchst Du zum Häkeln einer einzigen Masche länger, da sie mehrere „Arbeitsgänge“ erfordert, dafür erschaffst Du damit aber auch eine „größere Fläche“. Im Einzelnen hängt es natürlich davon ab, mit welchen Maschen Du häkelst. Mit Stäbchen kommst Du besonders schnell zum Ziel.

Was bringt bessere Ergebnisse?

Auch hier kommt es wieder ganz darauf an, was Du haben möchtest. Gestricktes ist in der Regel weicher als Gehäkeltes. Stricken eignet sich also gut für weiche, kuschelige Kleidung oder für Decken. Gehäkelte Arbeiten sind dagegen fester und behalten besser ihre Form. Außerdem sind sie dicker. Topflappen werden daher meistens gehäkelt (alternativ doppelt gestrickt). Auch für Amigurumi eignet sich das Häkeln besser. Du kannst die Figuren dann fester stopfen und detailreicher ausformen. Utensilos bleiben gehäkelt ebenfalls besser in Form.

Noch ein kleines Beispiel: Spülis. Gestrickte Tücher sind weich und können (locker gestrickt = besonders weich) als Babywaschlappen benutzt werden. Mit (fest) gehäkelten Lappen kannst Du dagegen Töpfe schrubben.

Fazit

Weder das eine, noch das andere ist „besser“. Häkeln und Stricken kann durchaus als gleichwertig betrachtet werden. Das betrifft den Spaßfaktor und die Eignung für bestimmte Zwecke genauso wie die „Qualität“ der Arbeit. Jede Technik hat ihre eigenen Vorzüge und Nachteile. Am besten probierst Du beides aus. Dann kannst Du Dich bei jedem neuen Projekt für die am besten geeignete Methode entscheiden. Oder für das passende Projekt zum Bus- oder Bahnfahren, neben dem Fernsehen …

Du weißt nicht, womit Du anfangen sollst? Dann schau mal hier:

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4 Gedanke zu “Häkeln oder Stricken: was ist besser?”
  1. Ich bin ganz entzückt von deinen Bildern, vorallem was alles möglich ist.

    Ich bin tatsächlich Team Häckeln xD Stricken habe ich schon so oft versucht, aber bekomme den Dreh nicht raus. Trotz Tipps von Oma und Mama xD

    Liebe Grüße
    Julia

    1. Wichtig ist doch nicht, was Du machst, sondern dass Du überhaupt handarbeitest. Vielleicht hilft Dir ja ein Video beim Lernen? Ich habe mir zum Beispiel das Nähen selber beigebracht, von meiner Oma lernen hat nicht geklappt. Viel Vergnügen jedenfalls weiter beim Häkeln!

  2. Hallo Ursula!
    Das sind ja süße Beispielbilder! Vor allem die Eulen find ich genial!
    Ich gehöre zwar zur Gruppe 1, die beides kennt, aber beides viel zu selten praktiziert.
    Danke für die vielen Beispiele. Jetzt bin ich wieder motiviert doch einmal wieder die Häkelnadel oder die Stricknadel in die Hand zu nehmen.
    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Vielen Dank, Barbara!
      Es freut mich sehr, wenn ich Dich zum Handarbeiten motivieren kann. Bei mir vergeht kaum ein Tag ohne Nadel, trotzdem hinke ich meinen Plänen immer meilenweit hinterher 😉

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